Falsche Freunde

Verbraucherzentralen, selbst ernannte Experten und Verbraucherschützer, Vereine…

oder wer schützt die Verbraucher vor den Verbraucherschützern?
Denn nur wer für seinen Ratschlag und seine Testergebnisse nicht haftet, sich häufig fern der Praxis nur im Bereich der Theorie bewegt, kann auf die folgenden Ergebnisse kommen.

22.03.2011 – Vorsicht vor Rentenlückenrechnern
Wie die Zeitschrift Performance aktuell auf ihrer website mitteilt, befassten sich die von den beiden als Versicherungsberater firmierenden Unternehmen DVR Die Versicherungs- und Rentenberater AG und VERS Versicherungsberater-Gesellschaft mbH in Auftrag gegebene Studie „Die Zukunft der gesetzlichen Rente“, Autoren Dr. Friedmar Fischer und Werner Siepe.
Ein Aspekt der Studie betrifft die Rentenlücke und die von Finanzdienstleistern, unabhängigen Informationsportalen, Versorgungswerken und Versicherungsvertretern benutzten Versorgungslückenrechnern oder Rentenlückenrechner. Denn darauf bauen die Vermittler und Berater oft ihre Empfehlung zur Schließung dieser ermittelten Lücke mit einer Riesterrente, Rüruprente oder Privatrente. Das Thema ist nicht neu, denn auch der „Ökotest“ hatte in 2.2010 Versorgungslückenrechner diverser Anbieter getestet und dabei erhebliche Mängel festgestellt. Ein Mangel bestehe laut der Studie darin, dass nur drei der getesteten Rechner die Möglichkeit bieten, Ansprüche auf eine gesetzliche Rente laut Renteninformation einzugeben. Ansonsten werde eine „Pi mal Daumen“ – Formel verwendet. Auch Barvermögen oder bestehende Riester-Renten können häufig nicht eingegeben werden und fließen somit nicht in die Berechnung der tatsächlichen Rentenlücke ein. Ob wirklich auch 100 % des Nettogehalts als Versorgungsbedarf im Alter zugrunde gelegt werden soll, ist aus Sicht der Autoren nicht nötig.
Quelle performance-online

03.03.2011 – Kann eine Bank ein Plagiat sein?
Wie die KWAG Rechtsanwälte mitteilten, vertreten sie aktuell eine Mandantin gegen die Postbank Finanzberatung AG. Die Tochter der Postbank verkaufte diverse geschlossene Schiffsfonds, Lebensversicherungsfonds und USA Immobilienfonds an die Mandantin. Als diese die Investments aufgrund der schlechten Renditen hinterfragte, wurden die bei der Beratung nicht genannten hohen Provisionen bekannt. Zwischenzeitlich gibt es höchstrichterliche Rechtsprechung, dass Kreditinstitute wesentliche Informationen, wie bspw. (besonders hohe) Provisionen, nicht verschwiegen durften. Die Postbank Finanzberatung AG entgegnet jedoch, dass sie zwar den Namen Postbank im Namen trage, jedoch gar keine Bank sei und daher auch die hohen Anforderungen einer Bank nicht zu erfüllen. Auch von der Bankenaufsichtsbehörde Bafin ist derzeit keine Hilfe zu erwarten. Denn der Name „Bank“ ist nicht geschützt und die Aufsichtsbehörde daher auch nicht zuständig. Für Bankkunden bedeutet dies, genau darauf zu achten, von wem sie zukünftig beraten werden. Denn nicht immer wo Bank draufsteht, verbirgt sich auch eine Bank und somit entfällt die besondere Haftung von Banken bei Falschberatungen.

03.02.2011 – Fitch-Analyst wechselt zum Gesamtverband der Versicherungswirtschaft
Nach Meldung der Financial Times wechselt Tim Ockenga von der Ratingagentur Fitch zum Branchenverband der Versicherer (GdV) und sei dort für die Abteilung Kapitalanlagen verantwortlich. Brisant könnte man die Angelegenheit deshalb nennen, weil sich Fitch und der GdV in den letzten Jahren einen Schlagabtausch wegen unaufgeforderter Rating von Versicherern geleistet haben (manager magazin: streit um fitch eskaliert). Es wurde dahinter von manchen Experten vermutet, dass Fitch sich damit zu bezahlende Ratingaufträge von deutschen Versicherern sichern wollte. weiterer Link: GdV Stellungnahme zur Regulierung von Ratingagenturen

18.01.2011 – Sind die Kassen der Verbraucherzentralen leer, müssen neue Geldquellen her.
Wie Spiegel-Online berichtet, macht nun die Verbraucherzentrale NRW „Nägel mit Köpfen“. Spenden der Wirtschaft werden nun zukünftig in eine steuerbegünstigte Stiftung gehen und die Zinserträge werden dann (erst) an die Verbraucherzentrale fließen. Somit muss sich die Verbraucherzentrale NRW nicht mehr von Insidern kritisieren lassen, dass sie zu viel Spenden von ING Diba und diversen anderen Großspendern erhält. Da wundere auch ich mich nicht, dass gerade die Verbraucherzentralen (VBZ) die aus ihrer Sicht zu hohen Gebühren der Filialbanken kritisieren, die diese von Direktbankkunden und ggf. anderen Fremdkunden für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur erheben. Bedenklich ist es für mich schon, wenn die Verbraucherzentrale NRW (VBZ) beim verdeckten Bankentest auf diese mögliche finanzielle Verflechtung nicht hinweist. Da passt es gut ins Bild, dass die Verbraucherzentralen (VBZ) Beratungshonorare für Überprüfung von Versicherungen oder Baufinanzierungen nehmen, jedoch wohl keine Verantwortung für fehlerhafte Aussagen übernehmen (wollen). Erwähnenswert ist nämlich, dass im Gegensatz zu diesen selbst ernannten Experten und Verbraucherschützern der provisionsgierige Versicherungsmakler eine Beteiligung an seinem Unternehmen von über 10% durch einen Versicherer seinen Mandanten unaufgefordert darlegen muss. Was auch ohne weiteress im Sinne des Mandatsverhältnisses bzw. im Sinne des Verbrauchers ist. Weitere Links: lawblog; „rent-a-verbraucherschützer,
Geschäftsbericht VBZ NRW 2006
Geschäftsbericht VBZ NRW 2007
Geschäftsbericht VBZ NRW 2008
Geschäftsbericht VBZ NRW 2009

05.11.2010 – Kfz Vergleich im Finanztest – täuschen, tarnen, tricksen?
Wie jedes Jahr, pünktlich zu Beginn der Wechselsaison erscheinen diverse Finanzpublikationen, die dem Leser verdeutlichen wollen, wie es denn im kommenden Jahr mit der Kfz Versicherung aussieht. Einen besonderen Coup landete nach meiner Ansicht der Finanztest mit seiner Novemberausgabe. Die Redaktion entschied sich für sechs Musterfälle mit 152 Autotarifen von rund 70 Kfz Versicherern. Unabhängig mal davon, dass bei Hunderten von Typklassenkombinationen (Haftpflicht/Vollkasko/Teilkasko), 12 Regionalklassen Haftpflicht, 9 Regionalklassen Vollkasko, 16 Regionalklassen Teilkasko und über 50 qualitativen Kriterien zum Versicherungsschutz kaum in 6 Musterfällen abzubilden ist. Das Problem ist jedoch wie fast jedes Jahr: Das Testergebnis ist veraltet, denn der Stand der Untersuchung war laut Finanztest der 1.9.2010. Jedoch werden zum 1.10. eines Jahres die veränderten neuen Regional- und Typklassen für die Kfz bekannt gegeben. Somit können die Versicherer erst ab Kenntnis dieser Unterlagen ihre Kfz Tarife für das neue Jahr endgültig kalkulieren und die Prämien bekannt geben. Natürlich hätte auch der Finanztest bis zum Druck der Novemberausgabe seinen Vergleich aktualisieren können. Für Versicherungsmakler ist das Tagesgeschäft und Versicherungsmakler nehmen dafür in der Regel im Gegensatz zu Verbraucherzentralen oder Finanztest kein Honorar dafür. Warum man seiner Kundschaft einen eigentlich wertlosen Testbericht für 4,50 EUR in der Printausgabe verkaufte, sollten die Moderatoren im Frühstücksfernsehen die Tester doch mal fragen. Ich konnte im Artikel nichts davon finden, dass die meisten Versicherer teilweise bis Mitte November Ihre Konditionen noch ändern werden. Aber vielleicht ist man einfach nur erfinderisch und geschäftstüchtig? Denn dem Leser bietet Finanztest ja an, dass man individuell günstige Tarife über die kostenpflichtige Analyse Autoversicherung erwerben kann. Also erst ein veraltetes Heft Finanztest kaufen und dann erst den kostenpflichtigen ultimativen Test  bei Finanztest machen. Wenn so eine der von Finanztest viel kritisierten Banken oder wir Versicherungsmakler arbeiten würden, was würden wir „Prügel“ von den selbst ernannten Finanzexperten  und Verbraucherschützern empfangen. Immerhin blieb Finanztest mangels öffentlichem Druck das „Einstampfen“ des gesamten Testheftes, wie in 2002 beim fehlerhaften Riestertest trotz des sehr freizügigen deutschen Presserecht erspart. Es ist sicherlich einfacher, bei Banken und Versicherern nach Fehlern zu suchen, als sich selber ein wenig die von den Produktanbietern und deren Berater erwartete Kompetenz anzueignen.

31.8.2010 – „Testsieger“ Ineas geht in die Insolvenz
Alle Ineas- und LadyCarOnline-Autoversicherungen verlieren am 31. August 2010, 24 Uhr, ihre Gültigkeit. Die auch Dank der oberflächlichen Testergebnisse von Finanztest und diversen anderen selbst ernannten Verbraucherschützer „geworbenen“ ca. 50.000 Kunden der Ineas müssen sich jetzt einen neuen Versicherer suchen. Sollten Kunden bis dahin keinen Versicherer gefunden haben, weil bspw. mehrere Vorschäden vorliegen, die Prämie zu hoch scheint oder die Typklasse in der Vollkasko den meisten Versicherern für die Versicherbarkeit zu hoch ist, fahren dann ohne Haftpflichtschutz und machen sich natürlich strafbar. Übernehmen will scheinbar kein Versicherer den gesamten Kundenbestand, vielmehr werben zahlreiche Autoversicherer „nur“ um diese Kunden. Eine Kündigungsbestätigung muss in diesem Ausnahmefall dem Folgeversicherer nicht vorgelegt werden. Jedoch sollte eine Sonderkündigung an die Ineas übersandt werden, um ggf. überzahlte Versicherungsprämien zurückfordern zu können. Die Ineas müsste zwar ab Kündigung überzahlte Prämien laut VVG erstatten. Allerdings ist bei einer Insolvenz davon auszugehen, dass bei der Ineas kaum noch etwas zu holen sein wird. Kunden der Ineas müssen sich möglicherweise am Insolvenzverfahren in den Niederlanden beteiligen, um ihre gezahlten Beiträge zurückzuerhalten. Die Pleite zeichnete sich für Insider schon länger ab, denn schon seit Monaten zahlt die Ineas für Voll- und Teilkaskoschäden am eigenen Auto nicht mehr. Der Finanztest steht sicherlich mit Rat und Tat zur Seite, denn er hatte ja noch im letzten Vergleich 11.2009 ohne Prüfung der Solvenz die Ineas als besonders preisgünstigen Onlineanbieter empfohlen. In einem offenen Brief an Herrn Hermann-Josef Tenhagen stellte ein Maklerverbund fest: Ein weit niedrigeres Beitragsniveau ist ein weit niedrigeres Beitragsniveau, Punkt. Wenn das aber erkauft wird mit schlechtem Service, verbraucherunfreundlichen Bedingungen oder mit schlechter Kalkulation, ist das wahrlich nichts Gutes und alles andere als ‚weit besser‘. Zusammengefasst könnte man schreiben, im günstigsten Fall haben die Ineas-Kunden vielleicht nur einen Teil ihrer Prämie verloren. Im schlechtesten Fall bezahlen sie verursachte Schäden auch noch aus der eigenen Tasche.

30.01.2010 – Test in Verbraucherzentralen
Die Financial Times Deutschland zitiert ein Gutachten des Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung, welche sich bei Verbraucherzentralen (VBZ) haben beraten lassen. Denn es steht ja aufgrund der aggressiven pauschalen Diffamierungen der Verbraucherschützer schon lang die Befürchtung, dass es nicht um Verbraucherschutz ginge, sondern auf diese Weise mehr Geld vom Staat für sich herausschlagen – für ihre eigenen Beratungen, deren Qualität nur unzureichend gesichert sei und gesetzlich nicht überprüft werde. Der FTD, der diese Ausarbeitung vorliegen soll, zitiert: Die Vorgehensweise der Verbraucherzentralen in fünf getesteten Städten sei „deutschlandweit uneinheitlich“. 90 Minuten für ein Gespräch zur Altersvorsorge seien im Vergleich zur Höhe der Gebühren von bis zu 150 Euro kurz. Die persönlichen Umstände der Kunden würden mangelhaft aufgenommen. Die Güte der Tipps schwanke von „schlecht bis ausgezeichnet“. Uneingeschränkt positiv wird lediglich die „freundliche und vertrauenswürdige Art der Berater“ bewertet. Allerdings sind manche Ergebnisse tatsächlich krass. So soll ein Münchner Berater weder die Zahl der Kinder, Vermögensverhältnisse, Verbindlichkeiten, Erfahrungen in der Geldanlage noch die Risikobereitschaft erfragt haben. In Berlin soll weder die Versorgungslücke Thema des Gesprächs, noch persönliche Ziele oder eventuelles Vorwissen gewesen sein.

podcast_Text25.01.2010 – Von einem der auszog, die Honorarberatung kennenzulernen
Wie finde ich einen guten Honrorarberater? Gespräch mit Dr. Rolf Schulte, Verbraucherzentrale Bayern
Nach hören des podcast verstehe ich. Wenn ich also von einer von der Bundesregierung empfohlenen „seriösen“ Berater-Internet-Seite gehe, muss ich das Impressum des gewählten Vermittlers prüfen und mit anderen Honorarberatern vergleichen. Ich verstehe. Staatlich empfohlen heißt nicht unbedingt geprüft oder gut. Wir sind ja nicht beim TÜV. Wenn ich dann den falschen Honorarberater wähle, habe ich etwas falsch gemacht. Und wenn er mich an seinen Verwandten, Bürokollegen oder Freund weiter vermittelt, zahle ich dort dann die Provisionen zu der Honorarzahlung, oder? Da sag ich mal, gute Lobbyarbeit der Honorarberater in Berlin und wieder mal Prima – Sachverstand im Verbraucherministerium von Aigner.

21.01.2010 – TÜV Siegel ohne Wert
Wie die Wirtschaftswoche berichtet über eine erschienene Studie mit dem Titel „TÜV-geprüfte Finanzberatung“, die vom renommierten Mathematiker Werner Siepe aus Erkrath (Autor mehrerer Bücher wie Existenzgründung mit Erfolg, Handbuch Eigentumswohnungen) im Auftrag von drei Unternehmen erstellt wurde.  Der Autor untersuchte einigen regionalen TÜVs (vorrangig TÜV Nord und TÜV Süd) und kam zum Ergebnis, dass dieses „TÜV-Siegel“ eine Verkaufshilfe für Finanzdienstleister sei. Nach seiner Auswertung ist Werner Siepe der Meinung, dass der Glaube an das „TÜV-Siegel“ das Vertrauen von vielen Anlegern, Versicherten und Kreditnehmern enttäuschen wird. Das gegen Entgelt erteilte „TÜV-Siegel“ täusche seiner Meinung nach eine Qualität vor, die tatsächlich gar nicht gegeben ist. Somit würden viele zu spät merken, dass „die viel gepriesene Sicherheit des TÜV-Siegels nur ein Marketing-Gag ist.“ Die Wirtschafswoche fragt: „Ein Gag zulasten vieler Kunden, warum ist so etwas möglich und sogar erlaubt?“ Und die Wirtschaftswoche erinnert süffisant an den ehemaligen SPD-Lenker Franz Müntefering – nicht gerade verdächtig, Anleger ausbeuten zu wollen –, welcher als erster Politiker von höchster Stelle den Finanz-TÜV forderte. Und damit habe er dem munteren Finanzsiegel-Treiben Vorschub geleistet.  Der TÜV nutzte den Vertrauensvorschuss auf ihre Weise aus, indem sie gegen fünfstellige Beträge Siegel auf Siegel folgen ließen, sich um eindeutige Normen für ihre Bewertungen herumdrückten und Allgemeine Geschäftsbedingungen zu eigenen Gunsten formulierten. Die Anleger und Kunden der Finanzdienstleister machten vertrauensselig mit. Die Meisten von ihnen gingen offenbar bis heute davon aus, dass es sich um Qualitätssiegel handelt – und nähmen in Kauf, dass man sie mittels mehr oder weniger versteckter Provisionen abkassiere. Auch stellte die Wirschafstwoche die Frage, was die Verbraucherzentralen dagegen setzten? Und kamen zu dem Schluss: Zu wenig, denn ihre fähigsten Köpfe wechseln entweder die Seiten, indem sie etwa bei Banken anheuern, oder sie kommen in den relevanten Ministerien unter.

19.12.2009 – Doppeltes Spiel bei TÜV Nord bei Zertifizierungsverfahren
Die Zeitschrift Portfolio International kritisiert, dass es bei der Zertifizierung von Software zur Altersvorsorgeberatung durch den Tüv Nord über Jahre hinweg ein erheblicher Interessenkonflikt bestanden habe.  Denn der Unternehmensberater Herr Dr. Drols berate zwar als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Kubi – Konzeptentwicklungs- und Beratungs-/Innovationswerkstatt der Assekuranz und Finanzdienstleister e. V.  ehrenamtlich den  TÜV Nord. Das bisher einzige Produkt mit TÜV-Siegel sei das der Firma Suretec Systems GmbH, an deren Firma der „ehrenamtliche Helfer“ bis 2009 beteiligt gewesen sein soll. Gemäß des Anwaltes  Schölwer soll Dr. Drols in den Anfangsjahren der einzige Finanzierer gewesen sein. Auch sollen seine Forderungen über ein komplexes Vertragswerk abgesichert gewesen sein, dass Drols im Notfall einen direkten Eingriff erlaubte. Diese Rechte seien mittlerweile erloschen. So vermuten Unternehmen, die eine Zertifizierung anstrebten, dass sie ohne es zu ahnen, den Einblick eines Konkurrenten in ihre Software in Kauf nehmen mussten.

17.08.2009 – Debeka erwirkt einstweilige Verfügung gegen Verbraucherzentrale Hamburg Wie die Debeka auf Ihrer Internetseite mitteilte, dürfen Verbraucherzentralen nicht länger behaupten, Kapitallebens- und private Rentenversicherungen seien für die Altersvorsorge ungeeignet. Das Landgericht Berlin hat am 14. August 2009 der Verbraucherzentrale Hamburg per einstweiliger Verfügung untersagt, falsche und irreführende Aussagen zur Qualität von Lebens- und Rentenversicherungsprodukten und ihrer Eignung für die Altersvorsorge zu verbreiten. Geklagt hatte die Debeka, mit fast drei Millionen Versicherten eines der größten deutschen Lebensversicherungsunternehmen. Konkret darf die Verbraucherzentrale Hamburg nicht länger behaupten, Kapitallebens- und private Rentenversicherungen sowie Rürup-Basis-Renten als Rentenversicherungsverträge seien nicht für die Altersvorsorge geeignet. Ferner wird ihr die Behauptung untersagt, diese Verträge böten eine geringere Sicherheit als etwa Aktienfonds, Zertifikate, Immobilien, Antiquitäten oder Briefmarken. Sowohl im Hinblick auf die Sicherheit als auch auf die Rendite solcher Verträge darf die Verbraucherzentrale die genannten Verträge nicht mit „Achtung ? Gefahr!“ beziehungsweise „Ein Risiko oder ein Nachteil ist vorhanden“ beschreiben.
Richter hält Broschüre inhaltlich für indiskutabel
Richter Mauck legte aber Wert auf die Feststellung, dass die Broschüre als Warentest indiskutabel und weder sachlich noch neutral gestaltet worden sei. Mauck sagte: „Die Broschüre ist inhaltlich nicht vertretbar. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.“ Indirekt empfahl der Richter der anwesenden Edda Castello, die bei der Hamburger Verbraucherzentrale die Abteilung Geld und Recht leitet, die gestoppte Broschüre nicht wieder in den Verkehr zu bringen.
„Die Argumente sind wissenschaftlich nicht fundiert, widersprechen wirtschaftlichen Fakten und verlassen insgesamt den Boden der Objektivität. Die Gefahr ist groß, dass der durchschnittliche Leser ein falsches Gesamtbild vermittelt bekommt und damit eher in die Irre geführt wird.“ „Ist der Verbraucherzentrale Hamburg tatsächlich entgangen, dass der Dax im Jahr 2008 erneut abgestürzt ist, wobei diesmal ein Minus von 40,37 Prozent zu verzeichnen war? Und dass es andererseits bei beiden Krisen es keinen einzigen deutschen Lebensversicherer gegeben hat, der seinen Garantieversprechen aus den Versicherungsverträgen nicht nachgekommen ist?“ Prof. Dr. Peter Albrecht, Universität Mannheim, am 17. August im Handelsblatt
„Es kann nicht sein, dass eine öffentlich finanzierte Einrichtung eine öffentlich geförderte Altersvorsorge pauschal als gefährlich einstuft.“ Frank Rottenbacher, Vorstand des Arbeitgeberverbandes der finanzdienstleistenden Wirtschaft, am 15. Juli in Focus Money.

06.02.2009 – Verbraucherschützer Thomas Bieler wechselt zur ING Diba
Wie in mehreren Artikeln und Blogs berichtet, wechselt Bieler nach 20 jähriger Tätigkeit von der Verbraucherzentrale NRW (VBZ) zur ING Diba, einem der größten Spender der Verbraucherzentrale. “Erst Spenden, jetzt Gehalt” titelt der renommierte Finanzjournalist Andreas Kunze (fintext), der schon 2007 aus den Geschäftsberichten der Verbraucherzentrale NRW zitierte. Es ist sicherlich bedenklich, wenn eine Bank wie die ING Diba für ihr Girokonto bei immerhin fast 10% Überziehungszinsen für „Vereinbarte Überziehung“, was man wahrlich nicht als günstig bezeichnen kann, gelobt wird, andererseits der Verbraucher gar nicht mitbekommt, dass die ING Diba nach den nicht unerheblichen steuerlichen Zuwendungen wohl jahrelang der größter Spender der Verbraucherzentrale NRW (VBZ) ist. Natürlich kann man als Steuerzahler vielleicht erst mal in Bezug auf die Subventionen beruhigt sein, wenn die Verbraucherzentrale NRW (VBZ) Geld bei Branchenverbänden und Unternehmen einsammelt. Auch wenn „verdiente“ Mitarbeiter ohne Abfindung dann zu den Spendern überwechseln, muss das nicht verwerflich sein und kann das Personalbudget begrenzen. Aber sollten dann die selbst ernannten Verbraucherschützer nicht auch auf solche finanziellen Zuwendungen öffentlich hinweisen, anstelle diese „nur“ im Geschäftsbericht zu „verstecken“.
Geschäftsbericht VBZ NRW 2006
Geschäftsbericht VBZ NRW 2007
Geschäftsbericht VBZ NRW 2008
Geschäftsbericht VBZ NRW 2009