Atompool – Die Versicherung von Atomkraftwerken und Kernkraftwerken (AKW)

Die 1950 in Köln gegründete Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft (DKVG), ugs. auch Atompool genannt, ist eine Versicherungsgemeinschaft. Der Atompool bietet Versicherungsschutz in Form eines Pools für Haftpflicht- und Sachversicherungsschäden für Betreiber und Bauherrn von friedlich genutzten Kernreaktoren, Kernkraftwerken, Atomkraftwerken und ähnlichen Anlagen. Der Atompool ist eine GbR aus in Deutschland ansässigen Rück- und Erstversicherern.

Anzahl der Versicherer im Atompool

Gegründet wurde der Atompool von 79 Versicherungen. Nach eigenen Angaben der DKVG waren im Jahr 2007 38 Unternehmen beteiligt, im Jahr 2011 nur noch 30 Unternehmen. Diese Reduzierung kann aufgrund von
a) Fusionen
b) Ausstiegen aus dem Industrieversicherungsgeschäft
c) fehlender finanzieller Sicherheit eines oder mehrerer Poolmitglieder

entstanden sein. Bzgl. finanzieller Sicherheit soll nach unbestätigten Meldungen eine Teilnahme bzw. der Einstieg eines interessierten Versicherers beim Atompool nur ab einem „Garantieversprechen“ von 5 Mrd. EUR möglich sein.
Die DKVG oder der Atompool beschäftigte 9 Mitarbeiter. Er versichert weltweit ausschließlich die Risiken der friedlichen Nutzung von Kernenergie (oft Atomversicherungen genannt). Laut GdV arbeitet die DKVG oder der Atompool überwiegend als Rückversicherungspool im Austausch mit ausländischen Atompools.

Gibt es auch in anderen Ländern einen Atompool?

Nach eigener Recherche haben Belgien, England, Schweden mit Finnland, Schweiz, Tschechien und die USA ebenfalls einen Atompool. Insgesamt soll es weltweit 27 Atompools (Stand 2013) geben. Die ersten Nuklear-Versicherungs-Pools in Europa wurden im England und Schweden/Finnland im Jahre 1955 gegründet.

Wie ist die Haftung in Deutschland und welche Schäden sind bekannt?

In Deutschland ist die Haftung im AtG festgeschrieben. Nach deutschem Haftungsrecht haften Atomkraftwerk-Betreiber oder Kernkraftwerk-Betreiber (somit nicht die Hersteller) unabhängig von etwaigem Verschulden nach der sogenannten Gefährdungshaftung in unbegrenzter Höhe und somit mit dem gesamten Vermögen (§ 31 Abs.1 AtG). Die Versicherungssumme für Atomkraftwerke und Kernkraftwerke beträgt jedoch „nur“ 256 Mio EUR je Atomreaktor. Im Interview gegenüber dem GdV erklärte der DKVG-Geschäftsführer Dirk Harbrücker im Jahr 2011, warum die DKVG trotz des deutschen Atomausstiegs kein Auslaufmodell ist (Interview vor Fukushima 2007). Ergänzend gelten weitere multilaterale Vereinbarungen sowie das Pariser Übereinkommen das AltHaftÜbkG.

Auch wenn die Kernkraftwerkbetreiber ihre Atomkraftwerke in unterfinanzierte Tochterunternehmen auslagern sollten, würde die Pflichtversicherung für die abzubauenden Kraftwerke gemäß Atomgesetz (AtG) bestehen bleiben. Somit sind auch die abgeschalteten Atomanlagen in Würgassen, Obrigheim und Stade weiterhin im Atompool versichert.

Da Vertrauen zum (Versicherungs-)Geschäft gehört, werden Schäden (bspw. Störfälle) gerade in der Kernenergie seltenst von Seiten der Versicherer bekannt gegeben. Der erste große Schaden des deutschen Atompools war am 28.März 1979 in Harrisburg, USA der Meiler Three Mile Island. Auf der Seite Atomunfall.de sind „die schwersten Atomunfälle in kerntechnischen Anlagen“ aufgeführt.
Bei der Regulierung des Schadens in Harrisburg erwuchs in der Versicherungswirtschaft bereits die Erkenntnis, dass die Entseuchungskosten den Wert des Kernkraftwerks überstiegen.

Haftung in anderen Ländern

Haftung_Atompool

Gibt es Ausnahmen von der unbegrenzten Betreiberhaftung oder für den Atompool?

Im Fall von bewaffneten Konflikten und Feindseligkeiten, eines Bürgerkrieges, eines Aufstands oder einer schweren Naturkatastrophe außergewöhnlicher Art (abweichend von Art. 9 des Pariser Übereinkommens) ist die Haftung auf 2,5 Mrd. EUR begrenzt (§34 AtG) .

Hätte unsere gesetzliche Haftungssumme von 2,5 Mrd. EUR bei einem Fall wie Fukushima ausgereicht?

Nach den heute bekannten Schäden sicherlich nicht. Dazu 2. Bsp. zur Verdeutlichung.

a) Allein der Bau der Hamburger Elbphilharmonie hat Stand 2014 mittlerweile fast 800 Mio. EUR verschlungen.

b) Die Kraftwerkbetreiber erhalten eine wohl vom Staat unrechtmäßig erhobene Brennelementesteuer zurück. Diese beträgt allen über 2 Mrd. EUR.

Auch hätte der Atompool selbst nicht geleistet, da die DKVG als Ausschlusskriterium Erdbeben und Tsunamis vereinbaren würde. Diese Ausschlusskriterien sollen internationaler Standard zu sein.

Sind die Kernkraftwerke selbst auch über Atompool versichert?

Versichert sind bzw. versichert werden über den Atompool

  • Sachschäden bspw. aus Kernenergie- und Feuerrisiken
  • inkl. der üblichen Kosten für Dekontamination und Aufräumung von Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen (vor allem Kernkraftwerke)
  • sowie von Einrichtungen und Vorräten einschließlich der Ausgangs- und Kernbrennstoffe, die zu solchen Anlagen gehören,

Nach unseren Informationen und Quellen sind deutsche Kernkraftwerke auch über Atompool versichert oder rückversichert. Gleiches könnte für Betriebsunterbrechungsschäden als Folge versicherter Sachschäden gelten. Die „üblichen Kosten“ bezeichne ich deswegen als üblich, da sie auch bei anderen Sachversicherungen wie Feuerversicherung, Geschäftsinhaltsversicherung, Betriebsinhaltsversicherung, Gebäudeversicherung oder einfach nur Hausratversicherung versicherbar sind.

Weitere Info Bundesamt für Strahlenschutz und GdV Jahrbuch 2012.