Havarie, Fährunglück und Kfz Schaden

Spätestens nach der Havarie und dem Brand auf der Ostseefähre «Lisco Gloria» haben sich manche Weltenbummler gefragt, wie denn der Versicherungsschutz bei einem Kfz Schaden, der durch einen Fähruntergang verursacht wird, geregelt ist. Denn es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Reisende mit ihrem PKW von Italien nach Malta, Spanien an die kanarischen Inseln oder wie beim Unglück, nach Dänemark schippern. Um es nicht unnötig kompliziert zu machen, gehen wir hier auf die Fragestellungen „welches Länderrecht gilt auf welcher Fähre“ oder „wie ist das mit einem Mietwagen geregelt“ nicht ein. Das wäre eher Thema für Juristen und Sie sollten daher diesbezüglich Ihren Anwalt fragen.

 

Havarie und Kfz Schaden: Das Justizministerium hat sich zu Fährunglücken auf Fährschiffen 2010 wie folgt geäußert:

Bei Fährschiffen innerhalb Deutschlands gibt es keine gesetzliche Gefährdungshaftung, auch nicht auf internationalen Fährfahrten. Ausnahme: bei schwerem Verschulden. Begründet wird das auf dem Athener Abkommen von 1974 und nachfolgenden Änderungsprotokollen, HGB § 664 sowie den CIV und Artikel 10 der Anlage zum HGB. Das Athener Abkommen wurde durch das Protokoll 2002 geändert. Es ist noch nicht in Kraft getreten. …Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Haftung des Beförderers … auch weiterhin Verschulden voraussetzt (Art. 3 Abs. 4 des Athener Übereinkommens)

Also, eigentlich ganz einfach. Das Justizministerium sagt 2012 klar und deutlich:

Fragen Sie Ihren Anwalt.

Wird Ihrem Kfz nun, beispielsweise durch einen Brand auf dem Schiff oder durch Sturm und den Untergang der Fähre mitsamt dem Kfz, Schaden zugefügt, gilt Folgendes:

Feuer und Sturm gehört wie der Schaden mit Haarwild (oder bei guten Versicherungstarifen mit Tieren aller Art) zu den versicherten Gefahren der Teilkasko Versicherung. Bei einem Brand oder Feuer wäre Ihre Teilkasko Versicherung zuständig. Also wäre wohl beispielsweise bei „Lisco Gloria“ oder auch „Norman Atlantic“ Versicherungsschutz unstreitig gegeben gewesen.

Die Formulierungen in den Muster AVB des GDV (Gesamtverband der Versicherungswirtschaft) sind eindeutig:

A.2.2.1 Versichert sind Brand und Explosion. Als Brand gilt ein Feuer mit Flammenbildung, das ohne einen bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder ihn verlassen hat und sich aus eigener Kraft auszubreiten vermag. Nicht als Brand gelten Schmor- und Sengschäden. Explosion ist eine auf dem Ausdehnungsbestreben von Gasen oder Dämpfen beruhende, plötzlich verlaufende Kraftäußerung.

In welchen Ländern besteht Versicherungsschutz im Falle eines Kfz Schadens durch Havarie?

Sie haben in Ihrer Kaskoversicherung üblicherweise Versicherungsschutz in den geographischen Grenzen Europas sowie den außereuropäischen Gebieten, die zum Geltungsbereich der Europäischen Union gehören.

Sie erkennen, die Frage nach Ländern wird in den Muster-AVB zwar gestellt, jedoch weder mit Staaten oder Ländern, sondern mit geographischen Grenzen beantwortet. Der Ort des Unglücks sollte daher zum versicherten Geltungsbereich gehören, nach meiner Einschätzung auch in internationalen Gewässern in den geographischen Grenzen Europas. Ob diese für Spanien mit dem Kfz zu den Kanaren gilt, sollten Sie sich bei Bedarf vom Versicherer bestätigen lassen.

Bei einem Untergang sieht die Situation anders aus, da es sich dann nicht mehr um einen Schaden aus der Teilkasko Versicherung handelt. Unabhängig davon, dass ggf. Schäden gegen den Verursacher (Brand eines LKW aus Litauen?) oder dessen Haftpflichtversicherung möglich sein könnten, würde hier nur Ihre Vollkasko Versicherung, sofern abgeschlossen, Versicherungsschutz bieten können.

Wieder die Muster AVB des GDV:

A.2.3 Welche Ereignisse sind in der Vollkasko versichert?

Versicherungsschutz besteht bei Beschädigung, Zerstörung, Totalschaden oder Verlust des Fahrzeugs einschließlich seiner mitversicherten Teile durch die nachfolgenden Ereignisse:

Ereignisse der Teilkasko

A.2.3.1 Versichert sind die Schadenereignisse der Teilkasko nach A.2.2.

Unfall

A.2.3.2 Versichert sind Unfälle des Fahrzeugs. Als Unfall gilt ein unmittelbar von außen plötzlich mit mechanischer Gewalt auf das Fahrzeug einwirkendes Ereignis.

Nicht als Unfallschäden gelten insbesondere Schäden aufgrund eines Brems- oder Betriebsvorgangs oder reine Bruchschäden. Dazu zählen z.B. Schäden am Fahrzeug durch rutschende Ladung oder durch Abnutzung, Verwindungsschäden, Schäden aufgrund Bedienungsfehler oder Überbeanspruchung des Fahrzeugs und Schäden zwischen ziehendem und gezogenem Fahrzeug ohne Einwirkung von außen.

Mut- oder böswillige Handlungen

A.2.3.3 Versichert sind mut- oder böswillige Handlungen von Personen, die in keiner Weise berechtigt sind, das Fahrzeug zu gebrauchen. Als berechtigt sind insbesondere Personen anzusehen, die vom Verfügungsberechtigten mit der Betreuung des Fahrzeugs beauftragt wurden (z.B. Reparatur, Hotelangestellter) oder in einem Näheverhältnis zu dem Verfügungsberechtigten stehen (z.B. dessen Arbeitnehmer, Familien- oder Haushaltsangehörige).

Und hier scheint die Crux im Schadenfall eines Fährunglücks zu liegen, sowie Arbeit für die betreffenden Anwälte erfordern. Ist es ein Unfall gemäß Versicherungsbedingungen oder hat nur die Fähre einen Unfall?

Einer Umfrage aus 2010 zufolge leistet bspw. die Allianz nicht für private PKW.  Sie geht also nicht von einem Unfall des Kfz aus. Auch bieten fast alle Versicherer günstigen Basisschutz mit eingeschränkter Leistung, wo Fährunglücke auch ausgeschlossen sein könnten.

Wir empfehlen daher schon seit Jahren solche Versicherer, die bei Fährunglücken leisten. Denn manchmal kommt es ja vor, dass man am Urlaubsort überraschend doch eine Fährfahrt mit dem Kfz macht, ohne an die Konsequenzen des evtl. fehlenden Versicherungsschutzes zu denken. Jedoch gilt die Einschränkung, dass in internationalen Gewässern kein Versicherungsschutz besteht. Für Ihre mögliche Kanaren-Fahrt sollte daher eine Anfrage gemacht werden.

Abschließend bleibt noch die Kostenseite zu betrachten.

Dazu aus der Dispache (engl. average adjustment): Bei der Dispache handelt es sich vereinfacht um die Verteilung eines Havarieschadens (vgl. §§ 700 ff HGB) des Anteils jedes Beteiligten an Schiff, Fracht und Ladung zur Ermittlung. Der Reeder (Schiffseigner bzw. Verfrachter) bzw. der Kapitän hat am Bestimmungsort ohne Verzug die Eröffnung der Dispache zu betreiben. Dabei wird der Schaden und die Verteilung des Schadens durch einen Sachverständigen (Dispacheur) festgestellt. Sein Schadensverteilungsplan kann von dem zuständigen Amtsgericht bestätigt und auch korrigiert werden. Im weitesten Sinne kann auch die Berechnung des Versicherungsschadens als Dispache bezeichnet werden.