Berufsunfähigkeitsversicherung und Berufsunfähigkeitszusatzversicherung

 

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Wer kein volles Risiko eingehen will, schließt eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Denn für jeden vierten Berufstätigen wird dies vor Erreichen des offiziellen Rentenalters bittere Realität.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (folgend BU genannt) ist neben der Unfallversicherung die Invaliditäts- und Arbeitskraftabsicherung. Sie kann eigenständig als selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung vereinbart werden oder auch als „Anhängsel“ (Zusatzversicherung) zu einer Kapitallebensversicherung, Risikolebensversicherung oder Rentenversicherung abgeschlossen werden. In der privatwirtschaftlichen Versicherung wird die Berufsunfähigkeit vereinfacht definiert: Wenn Sie durch ärztlich nachgewiesene Krankheit oder Unfall zu mindestens 50 Prozent (Staffelregelung von 25%-75% sind ebenfalls möglich) voraussichtlich für mindestens 6 Monate (leistungsschwache Versicherer ggf. 3 Jahre) dauernd außerstande sind, Ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit weiter nachzugehen. Die gesetzliche Rentenversicherung nutzt den Begriff Berufsunfähigkeit nur noch für Personen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind. Für alle jüngeren Personen gilt die sogenannte Erwerbsminderungsrente.

Wann ist eine Versicherte bzw. ein Versicherter berufsunfähig?

Gemäß §172 VVG gilt folgende Definition:

(1) Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Versicherer verpflichtet, für eine nach Beginn der Versicherung eingetretene Berufsunfähigkeit die vereinbarten Leistungen zu erbringen.

(2) Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann.

(3) Als weitere Voraussetzung einer Leistungspflicht des Versicherers kann vereinbart werden, dass die versicherte Person auch keine andere Tätigkeit ausübt oder ausüben kann, die zu übernehmen sie auf Grund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.

Es ist somit nicht der im Antrag angegebene Beruf, nicht der angestrebte Beruf, sondern der zuletzt ausgeübte Beruf i.d.R. versichert.

Gibt es auch andere Definitionen der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Im Rahmen der Vertragsfreiheit können Sie mit Ihrem Versicherer auch abweichende Bedingungen vereinbaren. Bspw. dass bei einem Berufswechsel in den letzten 24 Monaten auch das mögliche Ausüben dieses Berufes vom Versicherer bei der Leistungsentscheidung geprüft wird. Auch kann es abweichende Bedingungen bei Beamten, Selbstständigen und Freiberuflern, Studenten und Schüler, sowie Hausfrauen und Hausmänner geben.

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Ist eine BU-Versicherung überhaupt sinnvoll?

Neben der Haftpflichtversicherung ist die Berufsunfähigkeitsversicherung wohl die wichtigste Versicherung überhaupt für Berufstätige. Denn der Fortfall oder die Einschränkung ihrer Arbeitskraft kann im Fall der Fälle zu finanziellen Schwierigkeiten führen. Stellen Sie sich einfach mal vor, eine berufstätige Person mit einem mtl. Nettoeinkommen von 1.900 EUR wird mit 40 Jahren berufsunfähig. Ohne Einkommenssteigerungen hätte die Arbeitskraft bis zum Rentenbeginn mit 67 Jahren einen Wert von 615.600 EUR. Sollte dieser Arbeitnehmer die volle Erwerbsminderungsrente erhalten, also am Tag nicht länger als 3 Stunden einer x-beliebigen Arbeit nachgehen können, erhalten sie geschätzt so zwischen 550 – 650 EUR im Monat von der gesetzlichen Rentenversicherung.

Wann ist die BU-Rente angemessen und gibt es ein Bereicherungsverbot?

Die Angemessenheit einer beantragten Bu-Rente können Sie hier in einem Schnellcheck prüfen. Dem Versicherer steht es frei, Ihren Antrag mit der beantragten Versicherungssumme anzunehmen oder diese zu reduzieren (Neues Angebot des Versicherers). Der Versicherer kann sich später nicht auf eine Überversicherung berufen, es sei denn, im Antrag wurden übertriebene Angaben gemacht. Denn eine Nachmeldepflicht eines veränderten Einkommens gibt es derzeit in den Versicherungsbedingungen nicht. Das Bereicherungsverbot ist ein Grundsatz in der Schadenversicherung, also bspw. Haftpflicht-, Hausrat-, Geschäftsinhalts- und Kfz-Versicherung. Das Bereicherungsverbot sagt vereinfacht, dass die Entschädigung nicht höher sein darf als der Schaden selbst (Paragraf 200 VVG), denn eine Schadenversicherung dient immer einer konkreten Bedarfsdeckung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wie eine Unfallversicherung eine sogenannte Summenversicherung. Im Schadenfall stellt die vereinbarte BU-Rente die zu zahlende Versicherungsleistung dar. Es besteht somit kein direkter Zusammenhang zwischen Ihrer vereinbarten Versicherungsleistung und Ihrem körperlichen Schaden. Somit kann es auch kein Bereicherungsverbot geben.

Wie wird die BU-Rente und EU-Rente besteuert?

Rentenleistungen aus BU-Renten, sowie auch aus Lebens- und Rentenversicherungen der sogenannten „3. Schicht“ werden mit dem Ertragsanteil (§55 Abs. 2 EStDV) besteuert. Dieser wurde zum 1.1.2005 gesenkt, was auf Reduzierung des Kalkulationszinssatzes von 5,5% auf 3% zurückzuführen ist. Die längere Lebenserwartungen ist zwar ebenfalls eingerechnet worden, wirkt sich jedoch weniger stark als der Zinseszinseffekt aus. Umso kürzer die Laufzeit der zu zahlenden BU-Rente, umso niedriger der zu versteuernde Anteil. Kurzes Beispiel:

Alter bei Berufsunfähigkeit: 45 Jahre
Laufzeit der BU-Rente (Endalter 67 Jahre): 22 Jahre
Höhe der mtl. Rente: 1.000 EUR
Ertragsanteil gemäß §55 Abs. 2 EStDV: 23%

Die mtl. mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuernde Anteil beträgt 230 EUR. Unser Maklertipp: Bemisst sich bei einer abgekürzten Leibrente die begrenzte Laufzeit nicht auf volle Jahre, so kann bei Anwendung der Tabelle die Laufzeit aus Gründen der steuerlichen Vereinfachung auf volle Jahre abgerundet werden.

BMI, Raucher und der Einfluss auf die Versicherungsprämie

Der BMI hat sich im Bereich Lebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen (häufig kurz BU genannt) in der Prämiengestaltung längst etabliert. Für Sportler ist das häufig ärgerlich, da sie möglicherweise aufgrund Muskelmasse einen erhöhten BMI gegenüber einem Couch-Potato aufweisen. Auch ist fraglich, ob eine hoher oder niedriger BMI bei Rauchern zusätzlich relevant auf die Sterblichkeit ist. Es ist daher davon auszugehen, dass nicht alle Versicherer bei Rauchertarifen den BMI in ihre Kalkulation mit einfließen lassen. Bei dem Vergleich von Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen sollte also neben der Bewertung der Versicherungsbedingungen auch auf Auswirkungen des BMI auf die Prämie geachtet werden. Hier können Sie übrigens Ihren BMI errechnen lassen.

Was ist die Infektionsklausel für Mediziner?

Gerade bei (Zahn-)Ärzten kann es aufgrund einer gesetzlichen Vorschriften oder behördlicher Anordnung dazu kommen, dass der versicherte Zahnarzt oder Arzt wegen einer Infektionsgefahr keine Patienten mehr behandeln darf. Das entspricht i.d.R. einem vollständigem Tätigkeitsverbot. Nun kann der Humanmediziner oder Zahnarzt zwar theoretisch seinen beruf noch ausüben, praktisch ist es jedoch untersagt. Daher ist es gerade für diese Berufsgruppe Zahnarzt / Arzt wichtig, dass sich die Infektionsklausel in den Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung wiederfindet. Häufig wird auf ein“Tätigkeitsverbot“ über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten abgestellt. Der nachweis eines vollständigen Tätigkeitsverbotes ist dem Versicherer dann vorzulegen. Bei einzelnen Versicherern kann auch das Gutachten eines renommierten Hygienikers ausreichend sein. und sich dieses vollständige Tätigkeitsverbot auf einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten erstreckt.

Was ist die Dienstunfähigkeitsklausel?

Die Beamtin bzw. der Beamte auf Lebenszeit wird in den Ruhestand versetzt, wenn sie oder er wegen des körperlichen Zustandes oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung der Dienstpflichten dauernd unfähig (dienstunfähig) ist. Als dienstunfähig kann auch angesehen werden, wer infolge Erkrankung innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat, wenn keine Aussicht besteht, dass innerhalb weiterer sechs Monate die Dienstfähigkeit wieder voll hergestellt ist. In den Ruhestand wird nicht versetzt, wer anderweitig verwendbar ist. So lautet die Definition im Bundesbeamtengestz §44. Die Beamtin bzw. der Beamte wird, sofern keine andere Verwendung gegeben ist, in den Ruhestand versetzt. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass er gemäß den Versicherungsbedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung berufsunfähig ist. Die Bedingungen für eine Deinstunfähigkeit können geringer sein als die vertraglichen Vereinbarungen mit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Beamtin bzw. der Beamte kann als dienstunfähig sein, ist jedoch nicht arbeitsunfähig. Aus diesem Grund ist es für Beamte zwingend nötig, in die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Dienstunfähigkeitsklausel zu vereinbaren.