Betriebsausfallversicherung und Praxisausfallversicherung

Wenn der Arzt krank ist oder der Rechtsanwalt ins Krankenhaus muss.

Bei der Betriebsausfallversicherung und Praxisausfallversicherung handelt es sich um wirtschaftliche Absicherungen für Sie als Unternehmer, Selbstständiger oder Freiberufler, wenn Sie aufgrund eines versicherten Personen- oder Sachschadens den Betrieb zeitweise nicht führen können.
Sie sind nicht zu verwechseln mit der Betriebsunterbrechungsversicherung. Anfänglich gedacht waren die Betriebsausfallversicherung und die Praxisausfallversicherung als Spezialabsicherungen für Apotheker, Ärzte, Tierärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Psychologen, Psychotherapeuten, Rechtsanwälte, Notare, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Unternehmensberater, Sachverständige, Architekten, Gutachter und Ingenieure. Zwischenzeitlich kann sicht wohl fast jeder Selbstständige, Freiberufler oder Inhaber jeglicher Branche in gewissem Rahmen absichern.

Die Betriebsausfallversicherung und die Praxisausfallversicherung werden in diversen Marketingprospekten der Versicherer als auf bestimmte Personengruppen ausgerichtete Versicherungen bezeichnet, häufig auch als Kanzleiausfallversicherung oder Praxisunterbrechungsversicherung benannt. Mit der Betriebsausfallversicherung und der Praxisausfallversicherung versichern Sie sich als Versicherungsnehmer vor allem gegen das Risiko, dass Sie Ihre Tätigkeit in der Praxis oder dem Betrieb nicht nachgehen können. Eine solche Versicherung kann daher von großer Bedeutung sein, da private Krankengeldversicherungen i.d.R. nur das Nettoeinkommen absichern.
Ihre gesamten Betriebskosten, wie die Miete Ihrer Geschäftsräume, die Gehälter Ihres Personals oder auch die Kosten Ihrer betrieblichen Versicherungen sind damit bis auf vielleicht wenige Ausnahmefälle nicht ausreichend gedeckt. Daher eignen sich die Betriebsausfallversicherung und die Praxisausfallversicherung gerade für inhabergeführte Unternehmen. Neben den laufenden Kosten kann häufig auch der Gewinn mitversichert werden.

Betriebsausfallversicherung und Praxisausfallversicherung
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Je nach Versicherer sind folgende Risiken in der Betriebsausfallversicherung versicherbar:

  • Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall der versicherten Person
  • eine gegen den Betrieb behördlich verordnete Quarantäne (Seuche oder Epidemie, die Sie als versicherte Person oder den Versicherungsort / Betriebsstätte betreffen kann)
  • Beschädigung oder Zerstörung Ihrer Kanzlei, Praxis oder Betriebsstätte durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl/Raub oder Vandalismus nach einem Einbruch

 

Versicherungsdauer, Haftzeit und Karenzzeit in der Betriebsausfallversicherung und der Praxisausfallversicherung

Die Betriebsausfallversicherung kann für mehrere Jahre abgeschlossen werden, wobei jedoch im Schadenfall wie bei allen Sachversicherungen der Vertrag von beiden Seiten gekündigt werden kann. Ausnahme, der Versicherer verzichtet auf sein Sonderkündigungsrecht gemäß VVG § 92. Bei den o.g. Schadenereignissen leistet die Betriebsausfallversicherung i.d.R. für 12 Monate. Es kann jedoch oft auch eine Verlängerung bis 24 Monate vereinbart werden. Sollten Sie bereits eine Betriebsunterbrechungsversicherung besitzen, kann ggf. auf die Risiken der Beschädigung und Zerstörung Ihrer Betriebs- oder Praxiseinrichtung verzichtet werden. Sie weisen als versicherte Person die Anzahl von Tagen (ggf. auch nur Werktagen) aufgrund der o.g. versicherten Schadenereignisse der Versicherer nach, an denen Sie nicht in Ihrer Kanzlei, Praxis oder Betriebsstätte tätig werden konnten.
Um die Versicherungsprämie abzusenken, können Sie mit dem Versicherer für den Schadenfall auch eine Karenzzeit von i.d. R. bis zu 90 Tagen oder auch länger vereinbaren, in der noch keine Leistung bezahlt wird. Das macht ggf. insofern Sinn, da Einnahmen für bereits erbrachte Leistungen Ihren Betrieb noch in der Karenzzeit oder darüber hinaus „erreichen“.

 

Bei einem sorgfältig ausgewähltem Versicherungsschutz sollten Sie ggf. auch daran denken, diesen um folgende Bedingungen zu erweitern:

Die Versicherungsbedingungen können durch “Besondere Bedingungen” um weitere Bausteine erweitert und abgeändert werden. Jedes Unternehmen hat aufgrund seiner spezifischen Betriebsart und der Betriebsabläufe einen individuellen Bedarf. Daher ist es für uns wichtig und auch eine Grundvoraussetzung, aufgrund einer genauen Betriebsbeschreibung und Betriebsbesichtigung Ihre Betriebsabläufe, Eigenschaften und Rechtsverhältnisse zu verstehen. Nur so können wir Ihnen eine risikoadäquate Absicherung ermöglichen.

Folgende Einschlüsse sind in der Betriebsausfallversicherung i.d.R. durch BBR ohne Anspruch auf Vollzähligkeit möglich (alphabetisch sortiert):

  • Aufwendungen für eine Ersatzkraft zur Schadensminderung werden ohne besondere Vereinbarung entschädigt
  • Existenzgründernachlass im 1. Versicherungsjahr
  • Karenzzeit
  • Nachhaftung bei Betriebsaufgabe infolge Ausfall oder Tod
  • Verlängerung der Haftzeit nach medizinischer Spätversorgung nach einem Unfall
  • Verzicht der Kündigung des Versicherers nach einem Schadenfall
  • Wegfall oder Verkürzung der Karenzzeit bei unfallbedingtem Krankenhausaufenthalt
  • Verlängerund der Versicherungsdauer bis Endalter 68 ggf. auch 70 Jahre

 

Ermittlung der Versicherungssumme und Höhe der Entschädigungszahlung

Bei der Praxisausfallversicherung oder Betriebsausfallversicherung wird bei Arbeitsunfähigkeit von i.d.Regel 100 % geleistet. Die Entschädigungshöhe wird vertraglich vereinbart und entweder je Werktag oder je Tag bezahlt.

 

Praxisausfallversicherung oder Betriebsausfallversicherung – eine sinnvolle Ergänzung, aber…

Die Praxisausfallversicherung oder Betriebsausfallversicherung ist zwar eine sogenannte Sach-Versicherung, jedoch werden Gesundheitsfragen von der versicherten Person benötigt. Somit besteht natürlich das Risiko, dass aufgrund gesundheitlicher Mängel ein gestellter Antrag vom Versicherer nicht angenommen wird und somit kein Versicherungsschutz über eine Praxisausfallversicherung oder Betriebsausfallversicherung möglich ist.
Die Versicherungsprämie wird nicht nur an der Höhe der Versicherungssumme ermittelt, sondern auch an dem Alter der versicherten Person. Somit gilt, umso jünger, umso günstiger der Beitrag. Auch gibt es bei den Versicherern unterschiedliche Höchsteintrittsalter.

 

Krankentagegeldversicherung oder Praxisausfallversicherung?

Ihre Krankentagegeldversicherung wird als Höchstgrenze den Tagessatz auf Ihr Nettoeinkommen begrenzen. Ausnahme sind hier wenige auf Ärzte spezialisierte private Krankenversicherungen. Über eine Praxisausfallversicherung oder Betriebsausfallversicherung können Sie auch darüber hinaus die im
Krankheitsfall weiter laufenden Betriebskosten und Praxiskosten absichern. Sollte Ihr Betrieb oder Ihre Praxis auch im Krankheitsfall durch einen Vertreter fortgeführt werden, ist vielleicht die Begrenzung auf „Versicherungssschutz Vertreterkostenabsicherung“ eine sinnvolle Option.

 

Steuerliche Berücksichtigung bzw. Absetzbarkeit

Über die steuerliche Absetzbarkeit herrschte lange Unklarheit. Tendenziell konnten der Versicherungsnehmer und der Versicherer davon ausgehen, dass nur eine teilweise Absetzbarkeit möglich sein dürfte. Denn das Kriterium ausschließlich zum Schutz gegen spezielle berufs- oder betriebsspezifische Gefahren ist nicht gegeben, wenn Entschädigung wegen allgemeiner Krankheit mitversichert ist. Im Gegenzug ist die Leistung der Betriebsausfallversicherung und Praxisausfallversicherung dann steuerfrei zu vereinnahmen. Die Steuerkanzlei Jens Pressler hat einen sehr interessanten Artikel zum Urteil des BFH 20.5.09, VIII R 6/07 geschrieben.

 

Einschlüsse werden in der Regel in den AVB / BBR mit Teilversicherungssummen, versicherungstechnisch sogenannten Sublimits, dokumentiert. Ob Sie oder Ihr Unternehmen einzelne Gefahren selbst tragen können und welche Gefahren durch den Versicherer zu tragen sind, gilt es zu prüfen und zu analysieren.

Billig muss für Sie als Unternehmer / Unternehmen nicht immer günstig sein. Eine hohe Prämie ist nicht automatisch gut. Es gilt das richtige Produkt zu finden. Im sogenannten „Kleingedruckten“ finden sich oft juristische Ausführungen, die speziell für die Tätigkeit Ihres Unternehmens ungeeignet oder unzureichend sein können. Der Versicherungsnehmer kann oft erst im Schadenfall erkennen, ob er das richtige Produkt gewählt hat.

Beachten Sie bitte, dass die auf diesen Internetseiten zur Verfügung gestellten Informationen und Produkt-Vorschläge eine persönliche Beratung nicht ersetzen können. Versicherer nutzen unterschiedliche Bedingungswerke (sogenanntes wording) und können daher von den o.g. Ausführungen abweichen. Auch kann es sein, dass seit der Artikelveröffentlichung Änderungen (z.B. aufgrund der Rechtsprechung oder im Gesetzgebungsverfahren) eingetreten sind, die in diesen Artikeln enthaltenen Darstellungen nicht berücksichtigt wurden. Insbesondere bei älteren Artikeln könnte es sein, dass deren Inhalte nicht mehr vollständig zutreffend sind. Die Komplexität und der ständige Wandel der behandelten Materie machen es jedoch erforderlich, Haftung und Gewähr auszuschließen.

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