Gemäß VVG kann eine Pflichtverletzung nicht nur zur Leistungsverweigerung (bspw. §28 VVG) führen, sondern auch zur Kündigung des Versicherungsvertrages (bspw. §19 VVG ). Der Versicherer hat die Pflichtverletzung zu beweisen. Juristisch ausgedrückt, begeht derjenige eine fahrlässige Handlung, der es an jener Sorgfalt vermissen lässt, welche von einer Person in seiner Situation zu erwarten wäre.
Für Pflichtverletzungen hat die Rechtsprechung verschieden Definitionen charakterisiert:

Fahrlässige Pflichtverletzung

Die einfache Fahrlässigkeit kann man als Fahrlässigkeit i.S. des §276 Abs.2 BGB annehmen. Also wenn eine versicherte Person die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat.

Unentschuldbare oder grob fahrlässige Pflichtverletzung

Nach Ansicht von diversen Gerichten liegt ein grob fahrlässiges Verhalten im Sinne des VVG immer dann vor, wenn sich ein Versicherter einer unentschuldbaren Pflichtverletzung schuldig macht. Der Versicherte hat dann seine Sorgfaltspflichten in ungewöhnlich hohem Maße verletzt und ganz naheliegende Überlegungen nicht angestellt.

Wissentliche Pflichtverletzung

Grundsätzlich gilt in der Vermögensschadenshaftpflichtverletzung (meist §4 Ausschlüsse), das Ansprüche wegen Schäden durch wissentliches Abweichen von Gesetz, Vorschrift, Anweisung oder Bedingung des Machtgebers (Berechtigten) oder durch sonstige wissentliche Pflichtverletzung ausgeschlossen sind. Von einer „wissentlichen Pflichtverletzung“ muss ein Versicherungsnehmer oder versicherte Person positive Kenntnis von der Pflicht, den gesetzlichen Normen oder auch den Weisungen des Mandanten haben und er muss sich seines pflichtwidrigen Handelns bewusst sein. (OLG Karlsruhe, Urteil v. 24. 9. 2009, Az.: 12U47/09 und BRAK Miteilung 6.2010)
Verzichtet der Versicherer auf diese Klausel bzw. ergänzt diese, wird Versicherungsschutz gewährt, bis ein wissentliches oder bedingt vorsätzliches Abweichen von Gesetz, Vorschrift, Anweisung oder Bedingung des Berechtigten oder durch sonstige wissentliche oder bedingt vorsätzliche Pflichtverletzung nachgewiesen wird oder der Versicherer übernimmt die Verteidigungskosten gegen diesen Vorwurf.

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