Bei Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) können Sie von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in eine private Krankenversicherung (PKV) wechseln. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wird auch Versicherungspflichtgrenze genannt. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wird aus dem Verhältnis Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer des vergangenen Kalenderjahres zu den entsprechenden Bruttolöhnen und -gehältern im vorvergangenen Kalenderjahr ermittelt (§68 SGB VI). Somit wird die JAEG jährlich neu ermittelt (§6 Abs.6 SGB V). Arbeitnehmer unter der JAEG sind in der gesetzl. Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert. Für bereits vor dem Jahr 2003 privat Krankenversicherte entspricht die JAEG der jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze.

Überschreiten der Jahresarbeitsentgeltgrenze – Freiwilliges Mitglied

Arbeitnehmer, die im laufenden Jahr oberhalb die JAEG verdient haben, sowie auch die neue JAEG im folgenden Jahr überschreiten, gelten als „Freiwilliges Mitglied“ der GKV. Dieser freiwilligen Mitgliedschaft können Sie innerhalb von zwei Wochen widersprechen und in eine private Krankenversicherung wechseln. Danach gelten für freiwillig Versicherte dieselben Kündigungsfristen und dieselbe Bindungswirkung wie bei Pflichtversicherten Mitgliedern der GKV. Der Wechsel in eine andere gesetzl. Krankenkasse ist jedoch auch erst nach 18 Monaten nach Versicherungsbeginn möglich, sofern eine Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse vorgelegt wird. Erhebt die GKV erstmalig einen Zusatzbeitrag oder erhöht einen Zusatzbeitrag, jedoch gilt ein Sonderkündigungsrecht gemäß §175 Abs. 4 Satz 5 SGB V auch innerhalb der 18 Monate. Es gilt eine 2 monatige Kündigungsfrist zum Ende eines Monats ab dem Zeitpunkt, wo der Versicherte Kenntnis von der Erhöhung erhielt.

Wer prüft die Versicherungspflicht?

Jeder Arbeitgeber hat zum Jahreswechsel das Arbeitsentgelt der bei einer GKV versicherten Arbeitnehmer zu überprüfen und ggf. bei Änderung zu informieren. Bei Überschreiten der JAEG  wird der versicherte Arbeitnehmer krankenversicherungsfrei und bei Unterschreiten tritt die Krankenversicherungspflicht ein.

Freiwilliges Mitglied – Selbstständige

Freiwilliges Mitglied können auch Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler in der GKV sein. Als Basis zur Beitragsermittlung wird nicht nur das Einkommen als selbstständiger, gewerblicher oder freiberuflicher Tätigkeit gewertet, sondern auch Einnahmen aus Kapitalvermögen oder aus Vermietung und Verpachtung. Jedoch gilt auch Selbstständige, Gewerbetreibende und Freiberufler die Beitragsbemessungsgrenze für die max. Höhe des GKV-Beitrages.

Befreiung von der Versicherungspflicht

Sinkt das Einkommen unter die JAEG, wird das freiwillige Mitglied wieder pflichtversichert. Auch kann durch Bezug von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld, Aufnahme einer nicht vollen Erwerbstätigkeit nach §2 des Bundeserziehungsgeldgesetzes, Einschreibung als Student oder Tätigkeit in einer Einrichtung für behinderte Menschen zur Versicherungspflicht in der GKV führen. Privat Versicherte können sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen §8 SGB V. Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der GKV zu stellen. Eine Befreiung von der Versicherungspflicht kann jedoch nicht mehr widerrufen werden.

Freiwilliges Mitglied – Rentner

Freiwillig versicherte Rentner müssen neben Beiträge auf die gesetzlichen Rente und ggf. Versorgungsbezüge auch auf weitere Einnahmen Beiträge an die KVdR entrichten. Hierbei sind ohne Anspruch auf Vollzähligkeit bspw. Mieteinnahmen, private Rentenzahlungen, Zinsen, Dividenden u.ä. gemeint. Es ist zusätzlich zu beachten, dass der gesetzl. Rentenversicherungsträger auf diese krankenversicherungspflichtigen Einnahmen keinen Zuschuss zur KV („Arbeitgeberanteil“) bezahlt. Das freiwillige Mitglied muss daher auf diese Einnahmen den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent (Beitragssatz Jahr 2017) bis zur Beitragsbemessungsgrenze allein tragen.

Krankenversicherung der Rentner (KVdR)

Die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) bietet Rentnern der gesetzlichen Rentenversicherung die gesetzl. Krankenversicherung. Die KVdR wird von den gesetzlichen Krankenkassen fort- bzw. durchgeführt. Die Leistungen der KVdR sind die Gleichen wie auch der GKV. Auch familienversicherte Angehörige haben in der KVdR den gleichen Versicherungsschutz.
Hier das Merkblatt zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR) R0815 von der Rentenversicherung Bund / deutsche Rentenversicherung.

Weitere Informationen und Hinweise finden Sie unter KVdR.

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