Neue Regeln geben den Unfallopfern mehr Sicherheit

Bei einem Kfz Unfall verbunden mit einer Massenkarambolage oder einem Massenunfall ist die Unfallrekonstruktion meist sehr schwierig. Vielleicht ist der Unfallverursacher, also der Anfang einer Kausalkette, noch zu ermitteln. Aber dann…

  • Kfz-UnfallHaben Sie gegen das Sichtfahrtgebot verstoßen?
  • Haben Sie noch rechtzeitig bremsen können?
  • Oder wurden Sie durch das nachfolgende Fahrzeug aufgeschoben?
  • Wie war der technische Zustand des getroffenen Fahrzeugs vor dem Unfall?
  • Wurde das von Ihnen beschädigte Fahrzeug auch noch durch andere beteiligte Fahrzeuge beschädigt?

Sicherlich ist jeder froh, wenn außer Blechschäden keine Todesfälle zu beklagen sind. Für Sie als Unfallbeteiligter stellt sich jedoch die Frage, wie regulieren die Versicherer fair und gerecht den Schadenersatz? Um solche Ereignisse möglichst ohne gerichtliche Hilfe schnell und reibungslos abwickeln zu können, haben die GDV-Mitglieder eine Vereinbarung zur Schadenregulierung nach Massenunfällen getroffen.

Was ist überhaupt eine Massenkarambolage oder ein Massenunfall?

Für die Schadenregulierung entscheidet ein Gremium des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), ob nur ein Unfall oder tatsächlich eine Massenkarambolage bzw. ein Massenunfall vorliegt. Es handelt sich hierbei jedoch um eine seit bereits fast 40 Jahren bestehende freiwillige Regulierungsaktion der Kfz-Versicherer. Ziel ist und war eine möglichst schnelle und reibungslose Schadenregulierung nach Massenunfällen und Massenkarambolagen ohne gerichtliche Rechtsstreitigkeiten. Das Gremium verlangt folgende Fakten:

  1. Die Polizei darf keinen Verursacher festgestellt haben.
  2. Es müssen mindestens 40 Fahrzeuge beteiligt gewesen sein. Ausnahme ist, wenn der Unfallhergang nur schwer nachvollziehbar ist, reichen bereits 20 Fahrzeuge .
  3. Das gesamte Unfallgeschehen muss in einem engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang stattgefunden haben.

Welche Versicherung bezahlt, welche Sparte betrifft es?

Die Schäden werden grundsätzlich in voller Höhe von den Kfz-Haftpflichtversicherern der beteiligten Fahrzeuge übernommen. Also Ihr eigener Haftpflichtversicherer übernimmt die gesamte Regulierung. Jedoch gilt dies nur für die Versicherer, die sich dieser freiwilligen „Regulierung unterworfen“ haben. Eine Liste der Versicherer mit Stand 7.2015 finden Sie hier.

 

Kfz-Unfall-Massenkarambolage

Was ist der Vorteil für Sie als beteiligter Versicherungsnehmer?

  • Ihr Schadenfreiheitsrabatt bei der Kfz-Haftpflicht bleibt unberührt. Denn es ist ja eine pauschale Schadensberechnung.
  • Sie haben bei der Schadensregulierung nur einen Ansprechpartner, nämlich Ihren eigenen Kfz Haftpflicht-Versicherer.
  • Sämtliche Schäden am Fahrzeug werden grundsätzlich in voller Höhe übernommen werden. Ihre Kaskoversicherung wird nicht benötigt.
  • Sollten Sie an dem vereinfachten und gemeinsamen Regulierungsverfahren nicht teilnehmen wollen, haben Sie weiterhin die Möglichkeit, gegen den vermeintlichen oder konkreten Schädiger vorzugehen. Ggf. sind dann direkt auch höhere Schadenersatzansprüche möglich.

Wie viel Massenunfälle und Massenkarambolagen sind in Deutschland bekannt?

Seit Beginn des freiwilligen Regulierungsverfahrens (1976) sollen die beteiligten Kfz-Versicherer bis Oktober 2015 Schäden von insgesamt 17 Massenunfällen und Massenkarambolagen reguliert haben. Der erste Schadenfall trat 1983 ein. Der Schadenaufwand lag über den gesamten Zeitraum bei nur etwa 7 Millionen Euro und ist daher in der Prämienkalkulation sicherlich vernachlässigbar. Häufig sind die Ursachen Glatteis, Nebel und Schneetreiben. Die schwere Massenkarambolage auf der A19 in Rostock im April 2011 wurde durch einen Sandsturm ausgelöst. Dabei kam es zu einem Unfall von 83 Fahrzeugen, über 100 Personen wurden verletzt und acht Menschen starben. Diese Daten haben wir der Internetseite des GdV entnommen.

Video zu Kfz Unfall bei Massenkarambolage oder Massenunfall

So regulieren Versicherer die Schäden