Der BGH hat zur fiktiven Abrechnung in Vollkaskoversicherung entschieden, dass Aufwendungen für die Reparatur in einer markengebundenen Werkstatt können auch nach Auslegung der gültigen Versicherungsbedingungen (AKB) als „erforderliche Kosten“ bei einer bestehenden Vollkaskoversicherung sein können. Der BGH hat mit Urteil vom 11.11.2015 (IV ZR426/14) den Fall an das Berufungsgericht zurück verwiesen.
Es ist also nicht zwingend, dass sich „ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer“ vom Versicherer auf die niedrigeren Kosten einer „freien“ Werkstatt verweisen lassen muss. Jedoch bleibt die fiktive Abrechnung in der Vollkaskoversicherung abhängig von den speziellen Umständen des jeweiligen Falles und des Kfz-Vertrages. Bspw. soll die HUK Coburg in ihrem Werkstatttarif Select die folgende Klausel aufgenommen:
„Nehmen Sie vor der Reparaturvergabe keinen Kontakt mit uns auf oder lassen Sie uns die Werkstatt nicht auswählen, sondern lassen das Fahrzeug in einer anderen, von uns nicht bestimmten Werkstatt reparieren, sind wir – je nach dem Grad Ihres Verschuldens – berechtigt, unsere Leistung (ohne Transportkosten) ganz oder teilweise zu kürzen“.
Für diese Einschränkung soll es nach Angaben der HUK Coburg 2014 einen Rabatt von bis zu 20% gegeben haben. Auf diese Klausel bzw. die Vertragsinhaber wird das Urteil keinen Einfluss haben.

In dem Rechtsstreit begehrt der Kläger eines Mercedes nach einem Unfallschaden, dass dieser nicht reparieren werden soll, sondern von seiner Kfz Kaskoversicherer den Ersatz der notwendigen Reparaturkosten auf Gutachtenbasis. Anstelle der Stundenverrechnungssätze einer Mercedes-Fachwerkstatt entschädigte der verklagte Versicherer dagegen nur auf der Basis eines von ihm eingeholten Gutachtens von nur rd. 6.400 nach Lohnkosten einer ortsansässigen, nicht markengebundenen Fachwerkstatt. Somit war die Differenz von knapp 3.000 Gegenstand der Klage.
Der BGH hat jedoch bestätigt, dass in der Kaskoversicherung allein die vertraglichen Vereinbarungen (AKB bzw. TB) der Vertragsparteien maßgeblich sind, jedoch auf keinen Fall die Ersatzpflicht gegenüber einem Unfallgegner anzuwenden sind.

Exkurs fiktive Abrechnung: Bei der fiktiven Abrechnung werden die Reparaturkosten nach Maßgabe eines Sachverständigengutachtens oder eines Kostenvoranschlages abgerechnet. Eine Reparaturrechnung wird somit nicht vorgelegt.

Weitere Info zu Kfz Schaden und Kfz Unfall sowie wichtige Urteile finden Sie hier