Wenn eine Dachkonstruktion die Gefahr des Abgangs von Lawinen erhöht, so ist ein Gebäudeversicherer verpflichtet, das komplette Dach incl. Gauben mit Schneefanggittern zu versehen, so urteilte das AG Bruchsal in seinem Urteil vom 23.11.2010 (Az.: 3 C 81/1).
Der Kläger war gleichzeitig Mieter des Beklagten, vor dessen Haus er sein Fahrzeug regelmäßig parkte. Nach dem harten Winter 2010 türmten sich auf dem Dach des Beklagten Schnee- und Eismassen längere Zeit auf, bis sie Anfang Januar auf das Kfz des Klägers fielen. Den Sachschaden von ca. 1200 EUR wollte der Mieter vom Beklagten ersetzt haben. Der Beklagte verteidigte sich im anschließenden Rechtstreit, dass in diesem schneearmen Gebiet niemand mit soviel Schnee rechnen konnte. Durch ein Anbringen eines Schneefanggitters auf dem Hauptdach habe er daher alles Zumutbare getan.
Der vom Gericht beauftragte Sachverständige bestätigte die Aussagen des Hausbesitzers, dass das Dach mit Schneefanggittern versehen wurde, jedoch auf eine gesonderte Sicherung der mit der Solaranlage versehenen Gaube war verzichtet worden. Der Gutachter stellte weiter fest, dass die Solaranlage zu einer Gefahrerhöhung führte, da sie förmlich als „Schanze“ für abgehende Schnee- und Eismassen diente. Da also der Gebäudebesitzer den Schaden des Klägers durch Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt fahrlässig verursacht hatte, musste der Beklagte nur 50% des Schadens tragen. Der Kläger musste sich als Bewohner des Hauses zurechnen lassen, dass er angesichts der außergewöhnlichen Schneemassen und des Wissens von der Dachkonstruktion sein Fahrzeug daher hätte woanders parken müssen, um der Gefahr durch Dachlawinen zu entgehen.