Eine vorläufige Reiseunterbrechung wegen Krankheit, um diese später wieder aufzunehmen, ist kein Reiseabbruch. Dieser liegt nur dann vor, wenn eine Reise auch beendet wird. Somit ist der Reiseabbruch im Regelfall nicht von der Reiserücktrittsversicherung umfasst, so das Amtsgericht München (Az. 223 C 27643/09) in seiner Entscheidung.
Das Amtsgericht hatte zu entscheiden, ob für eine gebuchte Südamerikareise über Bolivien, Peru und Brasilien, welche
krankheitsbedingt wegen eines Lungenödems aufgrund einer Höhenkrankheit für 5 Tage unterbrochen wurde, eine Leistung aus der Reiserücktrittsversicherung für Ersatz für ausgefallene Leistungen beinhaltet. Denn durch den zwischenzeitigen Krankenhausaufenthalt konnten einige der gebuchten Übernachtungen oder Ausflüge über rund 2.870 USD nicht mehr in Anspruch genommen werden.
Entschädigungen nur bei Reiseabbruch möglich
Die Versicherung weigerte sich zu bezahlen, denn in den Versicherungsbedingungen war vereinbart, dass eine Entschädigung nur bei Abbruch der Reise aufgrund einer unerwarteten schweren Erkrankung des Versicherten zu leisten ist. Eine Unterbrechung sei nicht Bestandteil der Versicherungsbedingungen. Dem Kläger wiederum meinte, dass bei einer Unterbrechung die Reise an der Stelle fortgesetzt werde, an der sie unterbrochen wurde. Das sei bei einer Rundreise jedoch nicht der Fall.
Das Amtsgericht München entschied für die Versicherung. Die Erstattung der Leistungen sei vom Versicherungsschutz nicht umfasst. In den Versicherungsbedingungen sei nur der Abbruch versichert. Dies ergebe sich bereits aus dem Wort „Abbruch“. Der Kläger habe aber die Reise wieder aufgenommen und somit war sie nicht beendet. Weiter führte das Amtsgericht aus, dass dem Sinn und Zweck einer Reiserücktrittskostenversicherung sei, dass sich der Versicherungsnehmer durch den Abschluss der Reiserücktrittskostenversicherung vor hohen Aufwendungen für eine Reise, die er wegen eines unerwarteten Ereignisses nicht in Anspruch nehmen könne, schützen wolle. Abgesichert werde grundsätzlich der Totalverlust der gesamten Reise. Dies werde auf den Abbruch ausgeweitet. Eine zusätzliche Erweiterung auf eine Unterbrechung sei somit nicht gewollt.