Bekanntermaßen ist der Betriebsinhaber als Versicherungsnehmer neben vielen anderen versicherungsrechtlichen Pflichten und Obliegenheiten (Verstoß gegen Unfallverhütungs-Vorschriften) auch für die Wartung und Instandhaltung seiner elektrischen Anlagen und Anschlüsse zuständig. Bei Verstoß gegen die jährliche (bei besonderer Vereinbarung zweijährigen) Prüfung droht bisher Verlust des Versicherungsschutzes Die 6. Zivilkammer des LG Kassel hat mit Urteil vom 14. Oktober 2010 jedoch entschieden (Az.: 6 O 374/07), dass bei Verstoß gegen Unfallverhütungs-Vorschriften durch einen Versicherten ein Sachversicherer im Falle eines Schadens nur dann leistungsfrei ist, wenn der Verstoß im kausalen Zusammenhang zur Entstehung des Schadens steht.
Der Betreiber einer Waschanlage als Kläger war beim beklagten Versicherer gegen Feuerschäden versichert. Ein Feuer 2004 im Technikraum der Anlage zog Reparaturkosten i.H. von ca. 99.000 Euro nach sich. Nach Meinung der Brandexperten war der Auslöser des Brandes ein Kurzschluss der elektrischen Steuerung der Waschanlage. Der Versicherer berief sich nach Prüfung auf die Verletzung einer Obliegenheit, hier die Verletzung der Unfallverhütungs-Vorschriften der Berufsgenossenschaft, da die jährliche Überprüfung der elektrischen Anlagen nicht oder nur unregelmäßig vorgenommen wurden, was wiederum zu einer Gefahrerhöhung führte.

Der Anlagenbetreiber bestritt in seiner dagegen gerichteten Klage die Kenntnis dieser Vorschrift. Auch wäre der Brand bei Einhaltung dieser Bestimmungen nicht verhindert worden. Somit sei der Versicherer zur Zahlung des Schadens verpflichtet. Die Richter des LG Kassel waren der Meinung, dass selbstverständlich die Beachtung der Unfallverhütungs-Vorschriften von Berufsgenossenschaften zu jenen gesetzlichen und behördlichen Sicherheitsvorschriften gehören, die ein Versicherter bedingungsgemäß zu beachten habe. Auch habe man sich als Betriebsinhaber über die einzuhaltenen Vorschriften zu erkundigungen. Eine Leistungsfreiheit des Versicherers käme in diesem Fall jedoch nicht in Betracht, da gemäß des vom Gericht beauftragten Sachverständigen die Entstehung des Kurzschlusses ein zufälliges Ereignis gewesen sei, welches auch durch die vorgeschriebenen regelmäßigen Sichtkontrollen nicht hätte verhindert werden können. Somit habe sich die Verletzung der Unfallverhütungs-Vorschriften nicht auf die Entstehung des Schadens ausgewirkt. Nur bei einem kausalen Zusammenhang zwischen der mangelhaften Wartung und der Entstehung des Schadens hätte sich der Versicherer auf Verletzung der Obliegenheit berufen können.