Kommt ein Beifahrer aufgrund Übermüdung des Kfz Fahrers zu Schaden, muss die Kfz Haftpflichtversicherung die Kenntnis von der Übermüdung nachweisen, möchte der Versicherer sich auf Schadenfreiheit berufen. Denn es stellt sich versicherungsrechtlich die Frage, ob ein Beifahrer sich bewusst in die Gefahrensituation begeben hat, sollte er von der Übermüdung des Kfz Fahrers gewusst haben.
Auf der Rückfahrt eines Heavy-Metal-Festivals wurde der Beifahrer bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Der Versicherer weigerte sich, die gesamten Schmerzensgeldforderungen und Schadenersatzforderung des Beifahrers zu übernehmen. Denn der Versicherer war der Meinung, dass sich der Beifahrer der Übermüdung des Kfz-Fahrers bewusst gewesen sei und somit die Unfallgefahr billigend in Kauf genommen habe.
Das OLG Frankfurt/Main (08.11.2010 – AZ 1 U 170/10) sah wie schon die Vorinstanz kein Verschulden des Beifahrers. Gemäß Zeugen habe der Kfz Fahrer vor der Abreise mind. 4 Stunden geschlafen und auch kurz vor dem Unfall eine Pause für einen Schlaf genutzt. Die vom Versicherer geforderte 9 Stunden Schlaf seien unrealistisch. Der klagende Beifahrer konnte also von einer Fahrtüchtigkeit ausgehen. Denn ein Fahrer sollte lediglich soweit ausgeruht sein, dass keine Beeinträchtigung zu erwarten sei.